Alles wird SMART

Von Alexander Fehr
Herausforderungen auf vielen Ebenen beim Mittelstandkongress der CSU 2012,

München – Hochkaräter der Bundes- und Landespolitik der CSU trafen sich in der Messe München mit interessierten Mittelstandsvertretern zu einem Austausch zu den Herausforderungen für den bayrischen Mittelstand. Neben Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer standen auch Bayerns Finanzminister Markus Söder, Umweltminister Marcel Huber, der Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Hartmut Koschyk, der Oberbürgermeister der Stadt Erlangen Siegfried Balleis sowie den Vorsitzenden der CSU-Wirtschaftskommission Markus Blume in den Fachforen Rede und Antwort. Ich habe mich genauer in dem Forum „Wettbewerbsfähige Unternehmen durch erfolgreiche Energiewende“ umgehört und wieder einmal sehr viel zum Thema Speicher, Netzausbau und Finanzierung erfahren. Alles wird SMART, so ist der Eindruck.

Siegfried Balleis der Erlanger Oberbürgermeister und Landesvorsitzender der Arbeitskrieses Energiewende der CSU betont die „Chancen der Energiewende“. Wie diese Chancen konkret wahrgenommen werden verdeutlichen zwei Unternehmensvertreter aus den Branchen Photovoltaik und Tiefengeothermie.


Udo Möhrstedt der Vorstandvorsitzende der IBC Solar erklärt, wie sich trotz der Krise in der Photovoltaikbranche und einem wachsenden Wettbewerb aus China ein erfolgreiches Unternehmen mit einem Umsatz von 850 Millionen Euro gut behaupten kann. Dabei setzt er ganz auf Kooperation, liberale Märkte in Europa und China und einen Technologiemix. Er betont, dass trotz der Solarzellenimporte aus China 75% der Wertschöpfung einer Solaranlage in Deutschland verbleiben. Weiterhin hat er in Kooperation mit der Firma seiner Frau, Batterien für Eigenheimbesitzer mit einer Leistung von 6,8 kWh auf den Markt gebracht, die dabei helfen den am Tag geernteten Solarstrom in der Nacht nutzbar zu machen. Dieser Technologiemix auf der Mikroebene kann den Stromeigenbedarf eines Haushalts bis zu 70% decken.

Einen anderen Weg geht Florian Fritsch mit seinen Tiefengeothermie Projekten der FROGROUP. Dabei werden heiße wasserführende Schichten in einer Tiefe von bis zu 3500m angebohrt und das heiße Wasser sowohl zur Strom als auch zur Wärmeerzeugung genutzt. Mit der verbleibenden Abwärme wird sogar noch die Rückkehr der bayrischen Tomate in ein Gewächshaus mit 10 ha ermöglicht. Das nennt man Energieeffizienz - der Wirkungsgrad durch die Kraft-Wärme-Kopplung dieser Technologie ist als sehr hoch einzustufen. Derzeit ist eine solche Geothermie Anlage mit 7 MW in Betrieb und eine weitere mit 13 MW im Bau. Fritsch schätzt das Potenzial dieser Technologie für Bayern auf 1GW Leistung. Das Besondere an dieser Technologie ist ihre Grundlastfähigkeit. Sie könnte damit eine gute Ergänzung zu den schwankenden Leistungen von Sonne und Wind darstellen.

Markus Blume sieht das Alleinstellungsmarkmal der deutschen Wirtschaft in dem Wissen um intelligente Systeme. SMART Meter (intelligente Stromzähler), SMART Grids (intelligente Netze), SMART Mobility (intelligente Mobilität), virtuelle Kraftwerke und Energiespeicher sollen zu SMART Systems (intelligenten Systemen) verbunden werden und damit zu den Exportschlagern der deutschen Wirtschaft der nächsten Jahrzehnte avancieren. „Es liegt an Bayern diese Trends wie in der Vergangenheit mit der Luftfahrtbrache frühzeitig zu erkennen und energisch zu fördern“ sagt Blume im abschließenden Forum.

Wir sind in dem ersten Jahr der Energiewende einige Schritte in die richtige Richtung gegangen. Bevor jedoch alles so SMART wird wie es klingt werden noch einige Jahre vergehen in denen es viele ordnungspolitische Unverträglichkeiten auszuräumen gilt. Das Thema Energiewende erscheint überkomplex. Eine Komplexität die von Experten selbst kaum erfasst werden kann. In diesem Zustand bleibt die Kommunikation mit dem Bürger oft auf der Strecke, dabei sind es eben die Bürgen die eine Energiewende mitgetragen haben und die ein Recht darauf haben informiert zu werden. Hier ist eine umfassende Aufklärungskampagne notwendig, bevor es der Lobbyarbeit des Energieoligopols gelingt die Stimmung in der Bevölkerung zu ihren Gunsten zu kippen. An dieser Stelle hat Siegfried Balleis Recht, wenn er sagt, dass es die Chance zu betonen gilt bevor die Risiken überhand nehmen.

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