Die Energiewende ist mehr als die Summe ihrer Teile

Aristoteles Büste
Aristoteles Büste

Von Alexander Fehr

Energiewende - nationales Projekt oder 16 Einzelkonzepte?

 

München - Bundesumweltminister Peter Altmaier warnt vor Alleingängen bei der Energiewende. Gerade die bayerische Staatsregierung betont oft, dass Bayern in der Bilanz ein Stromproduzent bleiben will. Die zentrale Frage dabei ist: Wer denn dann den Offshore-Windstrom aus dem Norden der Republik nutzen soll?

Eines ist sicher - nicht jeder kann bei der Energiewende in Deutschland in der Bilanz ein Produzent sein oder bleiben. Es wird auch Konsumenten geben müssen, die sich gesichert darauf verlassen können sollen, dass die Energiewende als nationales Projekt Sicherheit bei Anbietern und Abnehmern schaffen wird.

 

Die Kapazitäten der Offshore-Windparks werden den Eigenbedarf einiger Bundesländer bei weitem überschreiten. Dies ist auch so geplant, denn die Offshore-Windparks sind mitunter das effizienteste, was derzeit an erneuerbaren Technologien zur Verfügung steht. Der Wind weht an der Küste öfter, stärker und stetiger und erhöht damit die Energieausbeute enorm. Der Energiegehalt des Windes steigt in der dritten Potenz zur Windgeschwindigkeit. Dieser etwas technische Satz sagt nichts anderes aus, als dass eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit den Energiegehalt des Windes um das Neunfache erhöht und damit auch die potenzielle Ausbeute.

 

Das Problem der Offshore-Windparks sind ihre hohen Installationskosten. Der Bau der Windräder auf dem offenen Meer und der Netzanschluss dieser Windparks sind in der Anfangsphase überproportional teuer. Hinzu kommen die hohen Kosten für den Netzausbau über Land, um den Strom in die Ballungszentren zu leiten.

All diese Probleme haben den Freistaat Bayern zu dem Entschluss geführt, dass auch der Freistaat 2% seiner Fläche zu Standorten für die Windenergie deklariert. In Zukunft sollen auch in Bayern tausende Windräder stehen, die dabei helfen, die Abhängigkeit von den Offshore-Windparks zu vermeiden und Bayern damit in der Bilanz als Stromproduzent zu erhalten.

 

Dieses Verhalten bereitet dem Bundesumweltminister sorgen, denn die Energiewende wird nicht gelingen, wenn diese lediglich die Umsetzung von 16 Einzelkonzepten umfasst. Die Energiewende ist mehr als die Summe ihrer Teile und erfordert von allen beteiligten Akteuren große Integrationsanstrengungen. Die Grundlage all dieser Mühen muss das Vertrauen zueinander und in den Bundesstaat bilden.

 

An dieser Stelle sind die Bürger gefragt, dieses Vertrauen gegenseitig wirken zu lassen und an die Politik in dieser Form zu kommunizieren. Denn solange die Bürger und damit die Wähler den Wunsch nach regionaler Autonomie kommunizieren, bleibt der Politik nichts anderes übrig, als diesem Wunsch zu entsprechen. Das Ergebnis einer Energiewende wird unter diesem Credo sicherlich nicht optimal sein. 

 

Die Energiewende ist ein nationales Projekt und wir sollten uns davor hüten, dieses Projekt durch regionalen Protektionismus zu gefährden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
Energieblogger, Energiewende, Community

News