Tank oder Teller?

Ölpalmen
Ölpalmen sind derzeit die weltweit ertragreichsten Ölpflanzen

Von Alexander Fehr

Konflikt oder Lösung?

 

Die starke Förderung von Biokraftstoffen in Deutschland hat für einige Jahre einen Boom in der Branche ausgelöst. Mit Ablauf der Förderung ist aber auch die Industrie um die Biotreibstoffe eingebrochen. Die unglücklich kommunizierte Einführung von E10 tat das übrige dazu. Das Fazit der Wissenschaft ist jetzt ernüchternd. "Der Kraftstoff vom Acker könne nicht entscheidend zur Energiewende in Deutschland beitragen" (Spiegel).

 

Biokraftstoffe sind jedoch nur eine der vielen möglichkeiten biogene Stoffe für die Energieerzeugung zu nutzen. Doch in der Biomassenutzung schwelt ein Konflikt, dem wir hier nachgehen wollen.

Biomasse ist der älteste von Menschen genutzte Energieträger und bis heute in vielen Teilen der Welt unerlässliches Brennmaterial. Während Biomasse traditionelle in Form von Holz oder Tierdung genutzt wird, verbirgt sich hinter dem Oberbegriff Biomasse zur energetischen Nutzung ein weites Feld möglicher Rohstoffe. Neben Holz und holzähnlichen Pflanzen, Stroh, Feldfrüchten, wie Getreide und Mais, zählen dazu auch Pflanzenöle wie etwa Raps- oder Palmöl, Alkohole, Algen und organische Abfälle wie z.B. Industrieabfallholz, Dung oder Klärschlamm.

 

In Deutschland könnte bis 2050 einen größeren Anteil des Energieverbrauchs über Biokraftstoffe decken, so ein Bericht des Bioökonomierats (BÖR), der die Bundesregierung berät. Die Biokraftstoffe kämen aber größtenteils aus Importen.

 

Der Import von Biomasse mit den langen Transportwegen verschleppt jedoch die CO² Bilanz. Wie weiter das Produktionsgebiet von Verbrauchen entfernt ist und wie mehr Produktionsschritte vom Ausgangsprodukt bis zum Endprodukt nötig sind, desto geringer ist die CO² Ersparnis.

 

Weiterhin birgt eine gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen und Biomasse das Risiko globaler sozialer Probleme. Eine gestiegene Nachfrage nach Importbiomasse würden die großflächige Zerstörung des Regenwals in Entwicklungsländern fördern, weil die Exportländer hier durch Rodung Flächen für den Anbau für Ölpflanzen schaffen. Der Anbau der Ölpflanzen konkurriert in diesen Ländern stark mit der Lebensmittelherstellung. Forscher befürchten, dass die Ausweitung des Anbaus von Ölpflanzen zu global steigenden Lebensmittelpreisen und damit zu einer Zunahme der Armut führen würde.

 

Die Frage ist, ob wir dieses Risiko eingehen wollen. Besser ist eine sinnvolle Nutzung von Biomasse wie Holz aus heimischem Anbau. Doch auch hier schlagen die Umweltschützer Alarm. Greenpeace beispielsweise fordert von der bayerischen Regierung ein Schutzgebiet für die heimischen Buchenwälder. Im Hintergrund steht die Befürchtung, dass heimische Baum- und Pflanzenarten durch schnellwachsende Hölzer ersetzt werden um den Ertrag zu steigern.

 

Zuspruch findet die Biomassenutzung immer dort, wo diese mit der Nahrungsmittelproduktion Hand in Hand geht. Hier werden nur Abfallstoffe, wie Tierdung, Erntereste usw., die bei der Nahrungsmittelproduktion anfallen in Biogasanlagen verarbeitet oder direkt zur Wärmeherstellung verbrannt.

 

Hier gelangen Sie zum Ausführlichen Bericht der Nationalen Akademie für Wissenschaften.

 

 

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