Wildwuchs bei der Energiewende

Wildwuchs bei der Energiewende

Von Alexander Fehr

Streit um Offshore Windparks zwischen Nord und Südländern tritt offen hervor

 

In Nord- und Ostsee entstehen derzeit riesige Windparks mit beachtlichen Leistungskennzahlen. Sobald diese Windparks ans Netz gehen werden sie einen wichtigen Beitrag für die Energiewende leisten. Der Strom aus dem Norden soll dann die Industriemetropolen im Süden mit erneuerbarem Strom versorgen. So die Theorie. In der Praxis herrscht Wildwuchs.

In der Praxis sieht das ganze anders aus. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es laute prominente Stimmen, wie Verbraucherministerin Ilse eigner die sagen, "Offshore, das brauchen wir nicht." Doch woher kommt diese Grundhaltung?

 

Die bayerische Bevölkerung steht dem Offshore Strom und damit der Abhängigkeit in der Stromversorgung von anderen Bundesländern sehr kritisch gegenüber. Forderungen wie: "Keine einzige Kilowattstunde des Offshore Stroms im bayerischen Netz", werden offen an die bayerischen Politiker formuliert.

 

Diesen bleibt im aufkommenden Bundes- und Landtagswahlkampf dann nicht viel übrig, als diese Forderungen aufzugreifen und zu vertreten. So sieht der bayerische Plan derzeit klar vor, dass Bayern in der Bilanz ein stromproduzierendes Land bleiben soll. Dafür werden dezidiert 2% der Fläche Bayerns für Windparkstandorte freigegeben. Spitzenlast und mangelnde Grundlastfähigkeit soll durch moderne Gaskraftwerke ausgeglichen werden. Weiterhin sollen unzählige kommunale und regionale Genossenschaften die dezentrale Energieversorgung in Bayern sicherstellen.

 

Was für Bayern und die bayerische Bevölkerung nach einem guten und erstrebenswerten Plan klingt, bring Bundesumweltminister Peter Altmaier in große Bedrängnis. Sein "Masterplan" für die Energiewende wird durch die Einzelkonzepte zu Nichte gemacht. Bei der Windenergie sieht er beispielsweise eine Überkapazität von 60% im Vergleich zu den Plänen der Bundesregierung. Schon seit Wochen wirbt er deshalb für eine bessere Integration der 16 Einzelkonzepte.

 

Die Folgen dieser Alleingänge können für die Energiewende verheerend sein. Wenn nach Bayern kein Offshore Strom geliefert werden soll, dann wird der Netzausbau und die neuen Trassen hinterfragt. Weiterhin ist dann unklar wohin die Nordländer ihren Windstromüberschuss liefern sollen. Ins Ausland verkaufen wird schwer möglich sein, denn in der Refinanzierungsphase ist der Offshore Windstrom im Vergleich sehr teuer. Erst nach 20 Jahren sinken die Kosten erheblich.

 

Die Folgen dieser Alleingänge der Bundesländen sind unter Anderem aktuell in dem Diskurs um das EEG zu sehen. Der "Wildwuchs" bei den erneuerbaren Energien führt zu einem unkontrollierten Anstieg der EEG Umlage und damit zu massiv steigenden Stromkosten. Unserer Meinung nach sind diese Mittel für eine erneuerbare Zukunft gut investiert. Bei vielen Verbrauchern und Wählen hingegen erzeugt dieser hohe Kostenanstieg derzeit Argwohn. So sollen die Strompreise 2013 um ca. 10% steigen.

 

Diese Mischung aus regionalem Protektionismus und dem aufkommenden Wahlkampf und dem Argwohn der Bürger führt zu der Situation, dass die Integration der Einzelkonzepte der Energiewender derzeit kaum objektiv diskutiert werden kann. Die Parteien nehmen derzeit die Aufstellung für die Bundestagswahlen ein. In diesem Prozess müssen die Unterschiede erarbeitet werden, damit die Positionen der Parteien zum Wahlkampf deutlich hervortreten. In diesem Zustand wird eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema erschwert.

 

In einer solchen Situation gibt es jetzt schon einen Verlierer und das ist die öffentliche Akzeptanz der Energiewende. Nur ein gemeinsames Vorgehen der Politik kann der Verantwortung ein ein Projekt wie der Energiewende gerecht werden. Effekthescherei und kurzsichtige Wahlkampfparolen sollten bei diesem Thema nicht aufkommen.


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