Blackouts im Winter?

Stromleitungen mit Schnee bedeckt
Stromleitungen mit Schnee bedeckt

Von Alexander Fehr

Was ist dran und was sind die Motive der Warnenden?

 


Der Netzbetreiber Tennet, der auch für die Offshore Netzanschlüsse im Norden verantwortlich ist, betreibt das auch das Netz in Großteilen Bayerns und Mitteldeutschlands. Jetzt warnt Tennet zum wiederholten Male vor Stromausfällen an kalten Tagen im Winter.


Doch wie soll die Warnung von Tennet nun gedeutet werden? Ist sie realistisch zu sehen oder geht es hier um Panikmache?
Regelzonen deutscher Übertragungsnetzbetreiber Quelle: Ice gixxe
Regelzonen deutscher Übertragungsnetzbetreiber, Quelle: Ice gixxe

Realistischer Weise muss gesagt werden, dass unsere Netze im Winter durchaus unter großer Spannung oder besser gesagt unter großen Spannungsschwankungen stehen. Diese Schwankungen entstehen aus der Verfügbarkeit oder nicht Verfügbarkeit von erneuerbaren Energiequellen, der Wind weht mal stark mal schwach und die Sonne scheint auch in unterschiedlicher Intensität auch im Winter. Aber auch die Zunahme oder Abnahme der Nachfrage nach Strom, bedingt durch den Tageszyklus unserer Gesellschaft, hat einen großen Einfluss auf unsere Netze.

Diese Sachverhalte und ihre Wechselwirkung machen es heute mehr als früher notwendig steuernd in unsere Netze und die Stromflüsse innerhalb der Netze einzugreifen. Die Frage ist, ob diese Steuerung nicht zu dem ganz normalen Geschäft der Netzbetreiber gezählt werden kann? Die Antwort darauf kann nur "Ja" lauten. Doch scheinbar stoßen die Netzbetreiber im Zuge der Energiewende an die Grenzen der Handhabbarkeit durch die gestiegene Komplexität. Tennet Unternehmenschef Fuchs sagt, "um das Stromnetz zu stabilisieren, gebe es mittlerweile tausend Eingriffe im Jahr". Dies sind ca. 3 Eingriffe am Tag, was für eine Steuerzentrale eines großen Netzbetreibers doch handhabbar erscheinen sollte.

Wenn diese Eingriffe handhabbar erscheinen, worin liegt dann das Motiv der Warnung? Eine Erklärung könnte darauf abzielen, die Zustimmung und Verfahren für den Netzausbau zu beschleunigen, denn Fuchs sagt, dass "eine 600 Kilometer lange direkte Nord-Süd-Trasse" Abhilfe schaffen könnte. "Die Ausgaben für so eine Verbindung liegen zwischen zwei und drei Milliarden Euro. Ein flächendeckender Stromausfall kostet allerdings innerhalb weniger Stunden Milliarden".

Die Argumentation geht also dahin, dass ein Stromausfall durch den Produktionsstillstand in wenigen Stunden volkswirtschaftliche Milliardenschäden verursachen würde. Diese These ist in der Theorie plausibel und schafft so eine Relation der Kosten des Netzausbaus zu den Kosten der Produktionsausfälle, die den Netzausbau als die günstigere der beiden alternativen darstellt.

Jedoch zeigt sich, dass unsere Volkswirtschaft mit solchen kleinen Schocks durchaus umgehen kann. Die Produktionsausfälle werden in kurzer Zeit oft wieder eingeholt. Dies zeigte sich deutlich bei meinen Untersuchungen um die Flugausfälle, verursacht durch die Aschewolke im Frühjahr 2010. Hier waren in großen Teilen Europas über Tage hinweg nahezu alle Flugbewegungen ausgefallen. Auch hier wurde von vielen Unternehmen und Wirtschaftsexperten vor riesigen volkswirtschaftlichen Schäden bis zu 1% unseres BIP gewarnt. Dies wären in der Betrachtung für das Jahr 2010 mehr als 24,9 Milliarden Euro gewesen. Die tatsächlichen Auswirkungen der Flugausfälle, die als durchaus großer Eingriff in unsere Volkswirtschaft zu deuten sind, waren jedoch weit weniger tragisch als die vielen Warnungen die ausgesprochen wurden.

Herr Fuchs sagt aber auch: "Ich will nicht dramatisieren. Wir sollten die Gefahr eines Stromausfalls allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen". Diese Aussage kann so auf jeden Fall stehen gelassen werden, denn der erhöhte Steuerungsbedarf bei unseren Netzen herrscht vor. Jetzt gilt es durch die Netzanbieter in Deutschland Lösungen zu finden, die nicht nur den Ausbau der Netze sondern auch neue Steuerungsverfahrung und Prognoseinstrumente berücksichtigen sollten.

Der Einfachste Weg ist natürlich der Bau von "dickeren" Leitungen damit der Strom einfach weiter fließen kann und weniger geregelt werden muss. Die komplexere Lösung ist die Erarbeitung von Verfahren und Prognosen, die mit den vorhandenen Netzen für ausreichend Stabilität sorgen können.

Denn eines ist bei der Energiewende noch nicht ausreichend beantwortet und dies ist die Frage, ob wir es nicht auch mit dezentralen Energiekonzepten schaffen können, die die neuen Leitungen zu einem Teil überflüssig machen würden.


Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-tennet-warnt-vor-stromausfall-im-winter-a-868465.html
und eigene Unterlagen

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