Grünstrom-Index könnte Markt für Heizstrom liberalisieren helfen

Von Robert Doelling

Neues Modell für bewährte Technologien

 

Nachtspeicherheizungen und auch Wärmepumpen werden aufgrund ihres verhältnismäßig hohen Strombedarfs in aller Regel mit einem speziellen, vergünstigten Stromtarif versorgt. Die vergleichsweise hohen CO2-Emissionen dieses konventionell erzeugten Stroms verschlechtern jedoch auch die Ökobilanz insbesondere von elektrischen Speicherheizungen, die den Strom deutlich ineffizienter in Wärme umwandeln als Wärmepumpen. Thorsten Zoerner hat nun jedoch ein Prognosemodell entwickelt, mit dem sich genau dies ändern ließe. Und das sogar ohne Mehrkosten für den Heizungsbesitzer. Eine neue Chance zur Liberalisierung des Heizstrommarktes?

 

Strombetriebene Heizungen haben in aller Regel einen so hohen Strombedarf, sodass sich nur die wenigsten für einen Betrieb mit einem normalen Haushaltsstromtarif geschweige denn mit einem Ökostromtarif entscheiden. Neben der damit nahezu zwangsweise resultierenden schlechten Ökobilanz dieses Heizstroms gibt es eine weitere Einschränkung: Die Energieversorger sind berechtigt, die Heizstromversorgung bis zu dreimal zwei Stunden am Tag über ein Rundsteuersignal zu unterbrechen. Und obwohl es mittlerweile die Möglichkeit gibt, dieses Abschalten über ein technisch und administrativ noch sehr aufwändiges temperaturabhängiges Lastprofilverfahren jedem Stromanbieter in Deutschland zu ermöglichen und somit auch im Heizstrombereich die Liberalisierung des Strommarktes voranzutreiben, wird Heizstrom mit wenigen Ausnahmen nur von den örtlichen Stromversorgern angeboten.

 

Diese Einschränkungen beim Bezug von Heizstrom könnten sich mit dem Grünstrom-Index von Thorsten Zoerner jetzt allerdings ändern. Der Grünstrom Index berechnet nämlich innerhalb eines Prognosezeitraumes von 36 Stunden vorab, wann und wo das Aufkommen von Ökostrom durch z. B. Windkraft oder Photovoltaik im Vergleich zur konventionellen Stromproduktion hoch oder eher niedrig ist. Ist der Indexwert hoch, so wird mehr Ökostrom als konventioneller Strom in das lokale Stromnetz eingespeist. Und genau diese Prognose könnten nun die Anbieter von Heizstrom gezielt nutzen, um ein Überangebot an Ökostrom im Rahmen der Abschaltzeiten von Elektroheizungen gezielt an die nächstgelegenen Verbraucher zu liefern.

 

Hohe Indexwerte - also ein im Vergleich zur konventionellen Stromproduktion höheres Ökostromangebot - könnte dann gezielt dazu genutzt werden, eine Abschaltung der E-Heizung oder der Wärmepumpe zu vermeiden und auf Zeiten mit niedrigen Indexwerten zu verlagern. So würden die Verbraucher maximal 6 Stunden pro Tag primär mit Ökostrom aus dem lokalen Stromnetz versorgt werden können. Und da der Stromversorger keinen mittlerweile zu diesen Verbrauchszeiten teureren konventionell erzeugten Strom liefern müsste, könnten die Heizstrompreise bei verbesserter Ökobilanz gleich bleiben oder sinken. Zudem würde auch ein Teil des Stromnetzes entlastet werden. Diese Vorteile könnten gezielt zur besseren Integration Erneuerbarer Energien in die Stromversorgung genutzt werden und ein Argument für diejenigen Stromversorger sein, die Heizstrom in anderen Gebieten außerhalb des eigenen Versorgungsgebietes anbieten wollen und bisher die hohen Kosten zur Umsetzung des Lastprofilverfahrens scheuten. Denn eines ist klar, der Verbraucher würde wohl sofort zu einem Anbieter wechseln, der einen höheren Ökostromanteil bei gleichen Kosten anbieten kann.

 

Autor: Robert Doelling

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Kommentare: 1
  • #1

    alexanderfehr (Mittwoch, 25 September 2013 11:25)

    Nachspeicherkunden bei den Stadtwerken München. Es gibt in München ca. 27.000 Wohnungen mit Nachspeicherheizungen (Stand 2008). Die Bewohner dieser Wohnungen müssen in der Regel Kunde der Stadtwerke München werden, da in der Regel nur der Grundversorger einen Heizstromtarif anbietet. Dieser Traif wir als NT (Nebentarif) derzeit mit 18,01 Cent pro kWh angeboten. Zusätzlich dazu MUSS der Kunde den konventionellen HT (Haupttarif) für 26,49 Cent pro kWh buchen und eine jährliche Grundgebühr von 93,06 € entrichten. Andere Kombinationen oder Optionen bieten die Stadtwerke München nicht an. Ich frage bereits seit 3 Jahren regelmäßig nach. Damit sind wir in der Klimabilanz obwohl wir zu zweit "nur" ca. 7500 kWh pro Jahr verbrauchen für Strom, Heizung Warmwasser (auch Warmwasser wird bei uns über Beuler mit Strom erzeugt) wohl ein furchtbares Vorbild. Der informelle Tip war: "Ziehen sie halt um", was in München bei dem Mietmarkt aber nicht einfach ist. Deswegen finde ich euer Modell wirklich super. Sollte es heute schon eine Alternative geben bitte ich jeden sich hier zu äußern.

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