Warmwasser, Daten, Fakten, Technologien

Prozentualer Energieverbrauch in deutschen privaten Haushalten 2010
Prozentualer Energieverbrauch in deutschen privaten Haushalten 2010

 

Von Alexander Fehr

Quell von Zivilisation und Lebensqualität

mit ungenutzten Effizienz und Einsparpotenzialen

 

Die Energiewende wir immer noch viel zu oft als Stromwende gedacht. Gerade private Haushalte sind in Bezug auf die Wahrnehmung von Einsparpotenzialen vorwiegend darum bemüht ihren Stromverbrauch für Beleuchtung und Haushaltsgeräte zu senken und damit ihre Einsparpotenziale zu nutzen. Dabei beträgt der Anteil unseres gesamten Energieverbrauchs im Haushalt für Beleuchtung beispielsweise nur 2% und für Haushaltsgeräte nur 9%. In dieser verkürzen Wahrnehmung werden andere wichtige Bereiche deutlich vernachlässigt. So auch der Warmwasserbereich, den dieser Beitrag eingehend beleuchtet.

Prozentuale Energieverbrauch für Warmwasser nach Energieträgern 2010 mit Anteil erneuerbarem Strom
Prozentuale Energieverbrauch für Warmwasser nach Energieträgern 2010 mit Anteil erneuerbarem Strom

 

Der Anteil des Energieverbrauchs in privaten Haushalten für die Warmwasser- Bereitstellung beträgt 13% und bildet damit nach dem Bereich der Raumwärme den zweitgrößten Anteil an unserem privaten Energieverbrauch.

 

Warmwasser bedeutet für uns Lebensqualität. Stellen sie sich ein Leben vor indem Sie morgens ohne ihre warme Dusche und den heißen Kaffee in den Tag starten müssen, ein Leben indem sie ihre Kleidung wie in früheren Zeiten am Fluss stundenlang sauberschrubben müssten und ihr Geschirr mit kaltem Wasser spülen müssten.

 

Ein Leben ohne gekochte Speisen, denn auch diese Zubereitungsart beruht im Grund darauf, dass Wasser erwärmt wird und unsere Speisen dadurch gegart werden.

 

Kurzum ist Warmwasser eine Grundlage für unser modernes Leben, unsere Zivilisation und unseren hohen Lebensstandard.

 

Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt hat im Jahr 2012 für die Warmwasserbereitung 2120 Kilowattstunden Energie aufgewendet[1]. Für uns Verbraucher kommt dabei das Warmwasser aus dem Wasserhahn. Einfach den Hebel einmal nach links stellen – oft ist da ein roter Punkt - und schon wird in Sekunden aus dem kalten Strom ein Warmwasserstrom. Jedes Kind lernt diese einfache Handhabe, gewöhnt sich daran und hinterfragt dies auch nicht.

 

Dabei ist die Energiezuführung in das Wasser, also die Warmwasserbereitung, durchaus an zahlreiche technologische Voraussetzung geknüpft. Unsere Haustechnik erledigt dies für uns im Hintergrund oft zuverlässig ohne von uns hinterfragt oder gar bewusst wahrgenommen zu werden.

 

Dieses Unbewusste ist auch dafür verantwortlich, dass wir in diesem Bereich die Einsparpotenziale nicht wahrnehmen und auch nicht nutzen.

 

Einen Lichtschalter schalten wir bewusst an oder aus, so auch den Fernseher oder das Notebook oder die meisten unserer Haushaltsgeräte. Die Warmwasserbereitung passiert in Rohren hinter Wänden, in Boilern in Kellern oder in Durchlauferhitzern an der Wand, nicht wahrnehmbar und unreflektiert.

 

Nachdem sie diesen Artikel zu Ende gelesen haben ist heute der Tag dies zu ändern. Gehen sie in den Keller ins Bad und nehmen Sie ihre Warmwassertechnik heute bewusst wahr, denn genau in dieser Haustechnik steckt eine Menge an Energiesparpotenzial.

 

Gerade hier sind oft Altgeräte in Verwendung, die einen hohen Energieverbrauch haben, weil diese entweder technisch nicht mehr auf dem Stand sind, oder weil durch die Benutzung beispielsweise Kalkanlagerung den Energieverbrauch deutlich in die Höhe treiben. Wenn ihnen also im Keller ein bis dato für ausgestorben gehaltenes mit Spinnenweben bedecktes technisch Gerät entgegenblick wird es an der Zeit über einen Austausch nachzudenken. Finanziell amortisieren sich die Neugeräte gut bis sehr gut. Schon nach 5-10 Jahren haben Sie mehr gespart als die Neuanschaffung sie gekostet hat.

 

 

Technologien der Warmwasserbereitung

Die technischen Möglichkeiten der Warmwasserbereitung sind heutzutage vielseitig und sollten um effizient und sparsam zu sein an ihre Wohnsituation und ihr Verbrauchsverhalten angepasst sein. Die wentlichen Fragen stellen sich in Bezug auf ihre Wohnsituation. Wohnen sie im Eigenheim oder in einer Mietwohnung? Haben sie ein zentrales Heizungssystem oder heizen sie dezentral? Wieviele Personen leben in dem Haushalt? Wie hoch ist ihr Warmwasserverbrauch im Monat pro Kopf?

 

Abhängig von den Antworten gibt es vereinfacht beschrieben im Grunde heutzutage folgende Möglichkeiten der Warmwasserbereitung durch:

 

Verbrennung von

  • fossiler Rohstoffen wie Gas, Heizöl oder Kohle
  • nachwachsenden Rohstoffen wie Holz oder Pellets

Strom bei Einsatz von

  • elektrischen Durchlauferhitzern
  • Wärmepumpen

Fernwärme

Erneuerbare Energien wie

  • Solarthermie

 

Die technische Umsetzung dieser Grundlegenden Möglichkeiten kann im Detail durchaus komplex werden und kann hier nicht dargestellt werden. Eine Übersicht liefert AEG Haustechnik in ihrem neu erschienenen Warmwasserkompendium auf 40 Seiten. Hier wurde nützliches Wissen rund um die elektrische Warmwasserbereitung mit Durchlauferhitzern, Kleinspeichern, Wärmeübergabestationen und Warmwasser-Wärmepumpen gebündelt. [2]

 

Bei einer Betrachtung der genutzten Energieträger für die Warmwasserbereitung fällt auf, dass Gas mit 50% den größten Anteil der Warmwasserbereitung ausmacht. Dieser Energieträger kann gut in Kombinationen mit dem normalen Heizungssystem genutzt werden. Dies gilt auch für die Nutzung von Mineralölen  (20%) vor allem Heizöl, was jedoch durch den vergleichsweise höheren Preis und die schlechtere Klimabilanz erfreulicherweise rückläufig ist. Die Kohle (0%) als Energieträger für die Warmwasserbereitung hat ausgedient. Beachtenswert ist immer noch der hohe Anteil von Strom (23%) für die Warmwasserbereitung. Dies ist dadurch zu erklären, dass einerseits gerade in Mietwohnungen ohne zentrale Warmwasserbereitung meist elektrische Durchlauferhitzer die einzige Möglichkeit darstellen dezentral Warmwasser zu erzeugen, weil diese an einer normalen Wasserleitung mit wenig Platzbedarf angebracht werden können. Andererseits steigt der Anteil der Warmwasserbereitung durch Wärmepumpen und Brauchwasserwärmepumpen, die ebenfalls durch Strom betrieben werden aber einen deutlich besseren Wirkungsgrad und eine bessere Klimabilanz haben als Durchlauferhitzer.

 

Erschreckend ist, dass der Anteil der erneuerbaren Energien für Warmwasserbereitung lediglich 4% beträgt. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung 23,4 % (2013) und an der erneuerbaren Wärmeproduktion für Raumwärme 15,4% (2011). Rechnen wir den Anteil des erneuerbaren Stroms in die Warmwasserbereitung mit ein so kommen wir immerhin auf einen Wert von 9% erneuerbarer Energien für die Warmwasserbereitung, der sicherlich noch weit ausbarbar ist.

 

Also ist es jetzt an der Zeit in den Keller zu gehen und sich seine Haustechnik einmal genauer anzuschauen. Lassen sie sich von einem Experten für Haustechnik beraten oder informieren sie sich in einschlägigen Foren wie haustechnikdialog.de. Gute Fachberater erstellen ihnen eine transparente Kalkulation der Kosten und der Einsparpotenziale, so dass für sie klar ersichtlich wird wann sich die Investition lohnt. Und denken sie in Ruhe darüber nach, ob sie mit einer intelligenten Lösung dabei den Anteil erneuerbarer Energien für die Warmwasserbereitung steigern können – unser Wasser hat es verdient.

 

 



[1] Quelle: Eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts, des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. (AGEB); Ohne Haushaltsgeräte, die Warmwasser erzeugen.

[2] www.aeg-haustechnik.de/unternehmen/presse/pressemeldungen/28120/

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