Biomasse

Wir Menschen nutzen seit Jahrtausenden eine effiziente Technologie, die Kohlenstoffdioxid und Wasser mit der Kraft der Sonne in hochenergetische Kohlenwasserstoffe umwandelt. Diese Technologie hat eine Erfinderin, die wohl die meisten Patente in der Welt hält - die Natur. Es ist die Photosynthese, die natürliche Technologie des Pflanzenwachsums, die wir Menschen kaum kopieren können und auch nicht müssen, denn die Natur hat sie bereits perfektioniert.

 

Ein Großteil des Primärenergieverbrauchs der Menschheit wird auch heute noch über Biomasse wie Holz abgedeckt. Die natürliche Regenerationsrate von Biomasse gerät jedoch im Angesicht der rasant wachsenden Weltbevölkerung an ihre Grenzen. Wir müssen einen Weg finden den Raubbau zu verhindern und ein Gleichgewicht zwischen Nutzung und Regeneration zu finden.

 

Mit modernen Verfahren sind wir sogar in der Lage aus beispielsweise Raps Biokraftstoffe für unsere Fahrzeuge herzustellen. Der Anbau von Biomasse als Energieträger konkurrieren in der Flächennutzung jedoch mit der Nahrungsmittelproduktion. Hier gilt es einen Weg zu finden, den schwierigen Spagat zwischen energetischen Zielen und den Zielen der Welternährung zu meistern. 

 

Biomasse hat auch in hochtechnologischen Gesllschaften einen nicht zu unterschätzenden Platz. Sie war nie weg feiert aber dennoch im Zuge der Energiewende ein Comeback. 

 

 

Chancen der Biomassenutzung

CO²-Kreislauf von Biomasse
CO²-Kreislauf von Biomasse
  • Erzeugung von Wärme (z. B. mit einer Holzheizungsanlage oder in einem Biomasseheizwerk)
  • Erzeugung von Strom und Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung (z. B. über ein Biomasseheizkraftwerk oder ein mit Biogas oder Pflanzenölen befeuertes Blockheizkraftwerk)
  • Herstellung von Kraftstoffen (z. B. aus Pflanzenölen oder biogenen Reststoffen)
  • gute Speicher und Lagerfähigkeit der meisten Biomassen
  • nahezug ausgeglichene CO²-Bilanz

Risiken der Biomassennutzung

  • Konkurrenz in der Flächennutzung zur Nahrungsmittelproduktion
  • Reduzierung der Artenvielfalt durch das Bestreben der Effizienzsteigerung (z. B. Monokulturen von schnell wachsenden Baumarten, Sojaplantagen statt Regenwald)
  • Erosion von Böden in tropischen Regionen nach Rodungen
  • Verzerrung der Klimabilanz durch lange Transportwege (Holzpallets aus den USA für deutsche Palletheizungen)

 

 

 

Experreninformationen

Tank oder Teller?

Ölpalmen Ölpalmen sind derzeit die weltweit ertragreichsten Ölpflanzen

Von Alexander Fehr

Konflikt oder Lösung?

 

Die starke Förderung von Biokraftstoffen in Deutschland hat für einige Jahre einen Boom in der Branche ausgelöst. Mit Ablauf der Förderung ist aber auch die Industrie um die Biotreibstoffe eingebrochen. Die unglücklich kommunizierte Einführung von E10 tat das übrige dazu. Das Fazit der Wissenschaft ist jetzt ernüchternd. "Der Kraftstoff vom Acker könne nicht entscheidend zur Energiewende in Deutschland beitragen" (Spiegel).

 

Biokraftstoffe sind jedoch nur eine der vielen möglichkeiten biogene Stoffe für die Energieerzeugung zu nutzen. Doch in der Biomassenutzung schwelt ein Konflikt, dem wir hier nachgehen wollen.

Biomasse ist der älteste von Menschen genutzte Energieträger und bis heute in vielen Teilen der Welt unerlässliches Brennmaterial. Während Biomasse traditionelle in Form von Holz oder Tierdung genutzt wird, verbirgt sich hinter dem Oberbegriff Biomasse zur energetischen Nutzung ein weites Feld möglicher Rohstoffe. Neben Holz und holzähnlichen Pflanzen, Stroh, Feldfrüchten, wie Getreide und Mais, zählen dazu auch Pflanzenöle wie etwa Raps- oder Palmöl, Alkohole, Algen und organische Abfälle wie z.B. Industrieabfallholz, Dung oder Klärschlamm.

 

In Deutschland könnte bis 2050 einen größeren Anteil des Energieverbrauchs über Biokraftstoffe decken, so ein Bericht Bioökonomierats (BÖR), das die Bundesregierung berät. Die Biokraftstoffe kämen aber größtenteils aus Importen.

 

Der Import von Biomasse mit den langen Transportwegen verschleppt jedoch die CO² Bilanz. Wie weiter das Produktionsgebiet von Verbrauchen entfernt ist und wie mehr Produktionsschritte vom Ausgangsprodukt bis zum Endprodukt nötig sind, desto geringer ist die CO² Ersparnis.

 

Weiterhin birgt eine gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen und Biomasse das Risiko globaler sozialer Probleme. Eine gestiegene Nachfrage nach Importbiomasse würden die großflächige Zerstörung des Regenwals in Entwicklungsländern fördern, weil die Exportländer hier durch Rodung Flächen für den Anbau für Ölpflanzen schaffen. Der Anbau der Ölpflanzen konkurriert in diesen Ländern stark mit der Lebensmittelherstellung. Forscher befürchten, dass die Ausweitung des Anbaus von Ölpflanzen zu global steigenden Lebensmittelpreisen und damit zu einer Zunahme der Armut führen würde.

 

Die Frage ist, ob wir dieses Risiko eingehen wollen. Besser ist eine sinnvolle Nutzung von Biomasse wie Holz aus heimischem Anbau. Doch auch hier schlagen die Umweltschützer Alarm. Greenpeace beispielsweise fordert von der bayerischen Regierung ein Schutzgebiet für die heimischen Buchenwälder. Im Hintergrund steht die Befürchtung, dass heimische Baum- und Pflanzenarten durch schnellwachsende Hölzer ersetzt werden um den Ertrag zu steigern.

 

Zuspruch findet die Biomassenutzung immer dort, wo diese mit der Nahrungsmittelproduktion Hand in Hand geht. Hier werden nur Abfallstoffe, wie Tierdung, Erntereste usw., die bei der Nahrungsmittelproduktion anfallen in Biogasanlagen verarbeitet oder direkt zur Wärmeherstellung verbrannt.

Energieblogger, Energiewende, Community

News